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Cubanews

Cuba in allen seinen Facetten

Das Internet in Kuba – Stand der Dinge

Aktuelle Version: 07.05.2018

Das kubanische Internet ist ja berühmt-berüchtigt als das schlechteste Netz der westlichen Hemisphäre. Aber ist es wirklich noch so schlecht? Hat sich seit dem Unterseekabel nach Venezuela etwas

Foto: Kubaner eim Surfen auf der Rampa

So surft man auf der Rampa

getan, spielt die Politik eine Rolle – und was können wir als Besucher der Insel erwarten?

Wie es momentan mit dem Surfen in Kuba aussieht

Das venezuelanische Unterseekabel


Also zuerst einmal: es hat sich viel getan. Offensichtlich ist das Unterseekabel nach Venezuela inzwischen – trotz massiver Verzögerung durch Korruption – endlich in Betrieb.
Erste Anzeichen, dass das Internet langsam von Satellit (teuer und langsam) auf Kabel (billig und schnell) verlagert wurde, gab es ja schon vor einiger Zeit (wir berichteten).

Die Geschwindigkeit ist auch ganz passabel, d.h. man kann alle gängigen Webseiten wie Facebook etc. aufrufen und dort auch was machen. Selbst Downloads sind möglich – da hat sich also wirklich viel getan!

Nun also ist das Unterseekabel voll in Betrieb und wir können davon profitieren – ist das so einfach?

Die kubanische Form des Internetcafés

Comic: "Es scheint, dass hier das WLAN-Signal am stärksten ist"

„Scheint so, dass hier das WLAN-Signal am stärksten ist“ (Quelle: Palante)

Wer in letzter Zeit in Kuba war, dem werden die Trauben von Menschen aufgefallen, die auf öffentlichen Plätzen mit ihren Smartphones, Tablets und manchmal auch Laptops rumsitzen und -stehen.

Das liegt daran, dass an vielen Straßen und Plätzen WLAN-Antennen angebracht wurden, mit denen man nun ins Internet kann. Alles, was man dazu braucht, ist ein richtig konfiguriertes Smartphone etc. (ist gar nicht so einfach), einen ETECSA-Account und eine Internetkarte.

Account und Telefonkarten bekommt man direkt bei ETECSA, Touristen können leider keinen Account beantragen. Uns bleibt also nur das WLAN mit Telefonkarte rund um die Hotels.

Denn die Telefonkarten funktionieren auch in und um die meisten Hotels, deshalb gibt es auch um diese auch Trauben von Menschen.

Man muss eben nur 1-2 Stunden bei ETECSA anstehen, um die Telefonkarten zu bekommen – eine Stunde Internet kostet nun 1 CUC – die Preise sind in den letzten Jahren von 4,50 CUC gefallen.

Die Kartenmafia

Comic: "Es tut mit leid, mein Herr, aber wir haben keine WLAN-Karten" "Komm schon, kauf deine WLAN-Karte hier!"

„Es tut mit leid, mein Herr, aber wir haben keine WLAN-Karten“ „Komm schon, kauf deine WLAN-Karte hier!“ (Quelle: Palante)

Die Telefonkarten werden übrigens auch von einer Kartenmafia auf der Straße angeboten. Wenn euch also jemand anspricht mit „Internet“ oder „WiFi“, dann will er euch eine Internetkarte verkaufen. Mit einem leichten Aufschlag natürlich, üblicherweise 1 CUC. Mag sich für alle lohnen, die sich nicht anstellen wollen.

Für Touristen

Wenn man also von den Problemen mit dem Erwerb der Telefonkarten absieht (das Anstehen), bekommen wir nun als Tourist auch einfach Zugang zum Internet. Für das Hotel-Internet müssen keine Anpassungen auf dem Smartphone oder Laptop vorgenommen werden. Wer also im Hotelzimmer Empfang hat – oder, wie ich, eine Casa, die nahe einem entsprechenden Hotel liegt 😉 – der kann schnell und einfach ins Internet. Eingeloggt, Emails geladen, getrennt – immer aktiv ausloggen, dann hält die Karte dann länger! Im Browser 1.1.1.1 eingeben, das führt zur Logout-Maske. Wer Facebook machen will, der muss natürlich mehr ausgeben…

Papier statt Plastik

Gab es bis bisher fast nur die Plastik-Rubbelkarten aus China, auf denen man den Login-Code freirubbeln musste, wurde das 2016 zu Gunsten von Papierkarten geändert. Ich gehe mal davon aus, dass diese in Kuba hergestellt werden bzw. viel leichter importiert werden können. Somit ist der Karten-Engpass erst einmal abgestellt – manchmal gab es nämlich Internet, aber in der janzen Stadt keine Karten mehr 😀

Bekannte Probleme

Problem Samsung-Phones

Viele Leute mit neueren Samsung-Geräten haben Probleme, sich mit dem mobilen Internet in Kuba zu verbinden. Wahrscheinlich liegt es an den Broadcom-Chips in diesen Telefonen, die aufgrund des Embargos in Kuba nicht arbeiten – so sagt es zumindest Samsung.

Solltet ihr also ein neues Samsung besitzen bzw. eins mit Broadcom-Chip, dann am besten ein altes Zweithandy mitnehmen, für alle Fälle.

Willkür in der Benutzung

Ein Problem gab es in Hotels – und ich würde sagen, gehäuft: in vielen Hotels wurde stark darauf geachtet, dass das Internet nur von Hotelgästen benutzt wird, Karten (die im Hotel viel teurer sind) wurden auch nur an Hotelgäste verkauft. Warum das 2016 so war, weiß ich nicht, ich hoffe aber für 2017 auf Besserung

Guthaben weg

Foto: Sitzende Kubaner beim Surfen auf dem Umlauf des Habana Libre

Kubaner beim Surfen auf dem Umlauf des Habana Libre

Manchmal gibt es Probleme dem Guthaben auf den Karten. Bei mir war das Guthaben auf einmal verschwunden – ich hatte gerade eine 5-Stunden-Karte angefangen – und war mir sicher, die Karte wäre gehackt worden. Recherchen bei befreundeten kubanischen IT-Spezialisten führten zu nichts, d.h. üblicherweise sind die Karten sicher. Und siehe da, das Guthaben erschien später wieder. Also: wenn euch das auch passiert, Karte nicht wegschmeißen und später wieder nachschauen!

 

Skype, WhatsApp und das Billig-Nach-Hause-Telefonieren

Zuerst einmal: um nach Hause zu telefonieren und sich dabei nicht von Telekom und Co. in den Ruin treiben zu lassen, sind ein paar kurze Vorbereitungen nötig. Skype funktioniert nicht, aber eine andere Videoconferencing-App: Imo. Die ist auf Kuba freigeschaltet und wird auch von allen Kubanern genutzt.

Foto: viele Menschen am Hotspot an der Rampa

Hotspot an der Rampa

Das heißt also: am besten schon zu Hause Imo installieren, Account einrichten und dann den Lieben Bescheid sagen, dass sie sich auch ein Account bei Imo anlegen. Schon klappts mit dem Nach-Hause-Telefonieren 😉

Oder natürlich, noch einfacher, benutzt einfach WhatsApp, das haben eure Freunde und Verwandten bestimmt schon installiert!

Weitere Änderungen in der Internetpolitik

Was bedeutet das für die Kubaner

Tja, ein CUC ist für Kubaner immer noch ein hoher Preis. Wer keine Verwandten im Ausland hat, mit Touristen arbeitet oder selbstständig ist, wird sich das Internet weiterhin nicht leisten können. Nichts desto trotz: eine Reduzierung von 1,50 auf 1 CUC ist doch schon deutlich und überrascht mich angesichts der aktuellen Wirtschaftsprobleme.

Privathaushalte ans Netz

Aber es gibt auch noch andere Änderungen für die Kubaner. Zuerst einmal werden Privathaushalte ans Internet angeschlossen. Bekamen bisher nur Ausländer und Angehörige bestimmter Institutionen (z.B. der Uni) einen Mailzugang oder Internetanschluss von zu Hause, werden nun erstmals auch ca. 15.000 Privatanschlüsse freigeschaltet. Das ist nicht viel, aber immerhin, ein Anfang ist gemacht.

Mobiler Zugang

Auch beim mobilen Zugang tut sich was, wobei wir allerdings von kleinen Schritten ausgehen müssen, denn der Aufbau einer Infrastruktur ist natürlich aufwändig, nichtsdestotrotz: 38.000 private Internetanschlüsse sind für 2017 angepeilt, allerdings beträgt die Mindestgebühr (inkl. Router) 15 CUC, das ist kein Pappenstiel.

Bei der Abrechnung hat sich 2016 schon etwas wesentliches getan: Kubaner können ein Konto bei Nauta beantragen und die Abrechnung erfolgt dann über dieses Konto, d.h. es sind keine Internetkarten mehr nötig, das Geld wird in den ETECSA-Filialen aufgebucht oder im Internet – so schaltet man natürlich sehr schön den Schwarzmarkt für Karten aus und erspart den Leuten lange Warteschlangen. Weiter so!

Mehr Internet-Hotspots

Comic: "Opa, zum Glück haben sie keine WLAN-Zone am Malecón aufgemacht, so dass man hier noch Sitzplätze findet!"

„Opa, zum Glück haben sie keine WLAN-Zone am Malecón aufgemacht, so dass man hier noch Sitzplätze findet!“

Auch an der Front tut sich was: es werden kontinuierlich mehr WLAN-Hotspots im ganzen Land eröffnet, so dass die einzelnen Hotspots nicht mehr so überlastet sind. Ziel sind 327 Hotspots in Kuba, davon 100 in Havanna.
Kleine Anmerkung am Rande: es gibt inzwischen um die Hotspots eine regelrechte Infrastruktur, Getränkeverkauf, gerüchteweise sogar Toiletten 😉

Kuba und Google

Vielleicht habt ihr auch gehört, dass Kuba einen Deal mit Google hat. Worum es dabei ging, war allerdings den meisten unklar. Es geht ganz konkret um die Speicherung von Google-Content auf der Insel, so dass der Inhalt schneller zur Verfügung steht (YouTube-Videos!!!).

Fazit

Ja, es gibt kubanisches Internet, und ja, man kann es benutzen, sogar mit ganz passabler Geschwindigkeit. Klar, ein bisschen Aufwand ist erforderlich, das Konfigurieren, das Anstehen, der verhältnismäßig hohe Preis, die App-Installation für die Telefonierer. Sonst hat Kuba aber inzwischen den (Internet)anschluss gefunden und es tut sich sogar was in der Entwicklung.

Und für alle Kuba-Romantiker:
Aber die Frage ist doch: muss das denn sein? Für die Kubaner war es ja schon ärgerlich, dass internetmäßig nix ging und da verstehe ich auch die Freude. Aber für uns als Touristen ist doch die große Frage: wollen wir ein paar schöne Wochen auf Kuba genießen oder lieber auf Teufel komm raus rumsurfen? Können wir die Bilder nicht nach dem Urlaub auf Facebook raufladen?! Naja, als alter Sack verstehe sowas dann eben nicht mehr… 😉

Habt Spaß in Kuba, mit oder ohne Smartphone,
Saludos,
Euer Dietmar


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