Die alten und die neuen Bärte in Kuba

Wer an Kuba denkt, der denkt typischerweise an bärtige Gestalten: Fidel Castro, Che Guevara, Camilo Cienfuegos – der Bart war und ist das Zeichen der Revolution. Neulich beim Spanischlernen bin ich auf einen Artikel von Veintomudos, El Regreso de los Barbudos, gestoßen und da hab ich mir auch mal meine Gedanken über Kubas Bärte gemacht – bin ich doch auch Bartträger, seit ich nach Kuba fahre (klar, dass meine kubanische Frau da eine wichtige Rolle spielte) Denn es gibt auf Kuba auch neue Bärte, die Hipsterbärte!

Veintemundos Spanischlern-Podcast

Warum überhaupt der Bart?

Der Bart als Zeichen der Revolution hatte natürlich erstmal praktische Gründe, denn für die Guerilleros war das Rasieren im Bürgerkrieg nicht so leicht. Genauso wie im ersten Weltkrieg die Soldaten lange Bärte trugen, trugen die Rebellen in der Sierra Maestra lange Bärte, einfach, weil es praktischer war. Dazu kam dann natürlich noch die Attitüde, der schon optisch sichtbare Widerstand gegen das Batista-Regime und die Bourgeoisie. Der Bart hatte also eine doppelte Bedeutung.

 Batista, fein rasiert

Später dann war der Bart Zeichen derer, die in der Revolution gekämpft hatten oder sich zumindest damit identifizierten, z.B. auch im Deutschland der 68er, vor allem Ché Guevara war da das große Vorbild. Auch in Europa war der Bart ja klar ein Zeichen des Widerstands gegen etablierte Normen.

Der Bart im heutigen Kuba

Der letzte große Bartträger war Fidel Castro. Raúl trägt keinen Bart, höchstens mal einen Schnurrbart. Auch die anderen Regierungsmitglieder sind fast alle bartlos, kaum jemand will sich heutzutage also mit Fidel vergleichen.

Und doch: immer öfter sieht man auf Kubas Straßen Bartträger – allerdings nicht mit dem Oliv der Armee, sondern mit bunten Farben, möglicherweise auch langen, zu einem Dutt geformten Haaren, vor allem in speziellen Locations, in denen definitiv kein Reguetón gespielt wird: der Hipster ist in Kuba angekommen.

Raúl Paz auf dem Malecón

Der Bart der Künstler und Hipster

Viele Künstler aus verschiedenen Richtungen tragen Bart, Raúl Paz, Leonardo Padura, Kcho, Kelvis Ochoa, X Alfonso und selbst Decemer Bueono lässt sich einen Anflug von Bart stehen!

Leonardo Padura mit Bart

Wie ist denn nur der Hipster-Bart auf die Insel gekommen? Nun ja, wie überall gelten auch für Kuba die gleichen Vorbilder, die weltweit mit ihren Bärten rumparadieren – nein, nicht Ronaldo und Messi – aber Beckham und Bale, sowie natürlich auch Schauspieler wie George Clooney oder Brat Pitt.

Verbreitet wird die große weite Welt über El Paquete, das Paket, also sogenannte Offline-Internet: Serien, Filme, Videos, News und Musik, die über DVD oder USB-Stick wöchentlich neu ausgetauscht werden und die die Kubaner mit der Außenwelt verbinden.

Der Bart als Zeichen der Männlichkeit

Nun ist der Bart natürlich nicht nur den Künstlern vorbehalten, sondern auch ein ganz eindeutiges Zeichen der Männlichkeit – und das war schon so zu Zeiten der Revolution. Wobei die heutigen Bartträger viel Zeit in die Pflege investieren und sich beim Barbier den Bart schneiden lassen. Nichtsdestotrotz: der Bart ist eine Erwiederung auf den Androgynismus und stellt den Träger als stattlichen Mann heraus – ich muss es ja wissen, trage ich ja auch einen Bart 😉

Dietmar (bärtig) mit Lianet auf dem
Empfang der Deutschen Botschaft

Fazit

Ob alte Bärte oder neue Bärte, der Bart ist wieder zu sehen in den Straßen Havannas und auf der ganzen Insel. Und wer es von euch ausprobieren möchte: die feuchte Luft Kubas macht die Barthaare weich, so dass sie nicht so kratzen – euer nächster Kubatripp wäre also ein guter Start mit dem Bartwuchs anzufangen 😉

Ich wünsche euch einen schönen Sommer,
Dietmar

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