Habaneros – die Chili-Schoten aus Cuba

Habanero-Chilis gehören zu den schärfsten Chilis der Welt. Und Kubaner gehören zu den größten Feinden von scharfem Essen, wie passt das zusammen?
Wenn ihr in ein kubanisches Restaurant kommt, dann ist meistens nicht einmal Pfeffer auf dem Tisch, geschweige denn Habanero-Soße! Und wenn ihr in Europa in ein kubanisches Restaurant kommt und der Tabasco steht auf dem Tisch, dann wisst ihr, es ist nicht original kubanisch.

Beeinflusst von Mexiko

Denn in unserem Kopf ist kubanischen Essen irgendwie mexikanisch – ist ja alles eine Soße dort drüben 😉 Als ich das erste Mal nach Cuba geflogen bin, dachte ich auch so. Aber das Essen Cubas ist nicht von der Küche der Eingeborenen, der Taino, beeinflusst worden, die (wahrscheinlich) viel scharf aßen. Denn die Taino waren viel zu schnell ausgerottet, um Einfluss auf die Küche Kubas zu nehmen – ganz anders als in Mexiko, wo es heute noch Nachfahren der Mayas und Inkas gibt, deren Kochgewohnheiten das typisch mexikanische Essen ausmachen.

Spanischer Einfluss

Zwar gibt es durchaus afrikanische Elemente in der kubanischen Küche, der größte Faktor ist aber die spanische Küche – und die ist im Allgemeinen nicht scharf. Die Auswanderer, die die kubanische Küche prägten, kamen überwiegend von den kanarischen Inseln und aus Andalusien, typisch spanisch geprägte Regionen. Und sie nahmen nicht nur ihre Sprache mit, die wir heute noch im Cubañol finden, sondern auch ihre Essenstraditionen.

Und nun zu den Habanero Chilis!

Trotz des Namens kommen die Habanero Chilis nicht aus Havanna – ähnlich wie die Habano-Zigarren wurden sie nur dort gehandelt. Der Ursprung der Habanero-Chili liegt wahrscheinlich auf Yucatán und dort werden heute auch noch weltweit die meisten angebaut. Auch in Cuba wurden und werden Habanero Chilis angebaut, allerdings meines Wissens nach nicht systematisch.
Havanna war allerdings lange Zeit der Ausgangspunkt der Spanische Flotte nach Europa, die alle Handelswaren, eben auch die Chilis, aus den Kolonien transportierte – als Ersatz für den sündhaft teuren Pfeffer aus dem Orient, übrigens!

Was macht die Habanero so scharf?

Die Habanero gehört zu den schärfsten Chilis weltweit. Ihre Schärfe wird duch das Capsaicin veruracht, das in den Samen und Samenleisten vorkommt (bis zu 1.500 ppm). Zur Orientierung: Eine wässrige Lösung mit einer Konzentration von 0,5 ppm Capsaicin wird von den meisten Menschen bereits als scharf wahrgenommen.

Auf der Scoville-Skala kommt die Habanero Chili auf zwischen 100.000 und 577.000 Einheiten.

Kleiner Tipp für die Männer: nie Chilis schneiden und danach pinkeln gehen – wurde mir auf Yucatán beigebracht 😉

Pralinen mit Chili

Noch eine kleine Anekdote zu meinen ersten Erfahrungen mit dem kubanischen Geschmack. Als ich das erste Mal zu meiner Freundin – meiner heutigen Frau und Mitautorin Lianet – nach Cuba fuhr, brachte ich natürlich Geschenke mit, unter anderem Schokolade mit Chili. Sehr lecker, aber für die Familie von Lianet eine Mutprobe. Sie probierten eine nach der anderen, natürlich scharf auf die Schokolade (sorry für das Wortspiel) aber mit Angst vor der Schärfe 😉 Im Endeffekt war die Chili nicht so stark, so dass sie alle Schokolade verputzen konnten – aber scharfe Schokolade habe ich seitdem nicht mehr mit nach Cuba gebracht…

Warum ihr Chili in Cuba essen solltet

Chili tötet Bakterien

Foto: Trocknungsprozess der Habanero Chili

Trocknungsprozess der Habanero Chili

Nun essen die Kubaner keinen Chili, aber sollten wir welchen mitbringen? Ja, auf jeden Fall! Denn einerseits tötet Chili Bakterien ab. So isst mein Schwiegervater – zwar Kubaner, aber welterfahrener Seemann – seinen Fisch immer mit Chili, auch wenn er sonst nichts Scharfes isst. Klar, das ist die Erfahrung, dass Chili eventuelle Bakterien abtötet, die der Fisch in Cuba haben kann. Und einige davon bescheren uns Montezumas Rache, kann bis zu Krankenhausaufenthalten gehen!

Chili gegen Hitze

Dann gibt es noch einen ganz anderen Grund und der ist auf jeden Fall spannend: ihr wisst ja, wie Chili den Mund heiß macht. Das bringt euren ganzen Organismus dazu, sich runterzukühlen. Chili ist also ideal, wenn es euch zu heißt ist: Chili einwerfen und der Körper aktiviert die Kühlungsfunktionen.
Funktioniert übrigens nicht mit mitteleuropäischen Gewürzen wie Meerrettich, Zwiebeln oder Senf, die erhöhen die Körpertemperatur nämlich – genau, was wir in unseren Breiten brauchen 😉

Wie eure Chili nach Cuba bringen?

Nur noch kurz, wie den Chili transportieren: am besten nehmt ihr Chili-Pulver mit, ist sehr leicht, oder ein Fläschchen unter 100 ml. Das Pulver könnt ihr überall transportieren, das Fläschchen in eurem Flugzeugs-Flüssigkeitsbeutel, sonst kommt ihr damit nicht durch die Sicherheitskontrollen.

Fazit: die Habanero ist lecker, aber nicht kubanisch!

Die Habanero Chili (übrigens nie Habañero, das ist keine Jalapeño) hat ihren Namen von der glorreichen Zeit, als Havanna das Tor zur Neuen Welt war und alle Waren dort umgeschlagen wurden. Die Kubaner selbst essen nicht scharf, sondern würzen vor allem mit Salz und der Kreuzkümmel (Comino), der dem kubanischen Essen seinen spezifischen Geschmack verleiht.

Wenn ihr also kubanisch Kochen wollt, z.B. das Picadillo, dann keine Habanero-Soße reinschütten, sondern Kreuzkümmel 🙂 Und wenn das kubanische Restaurant neben Nachos auch noch Jalapeños und anderes scharfes Essen auf dem Tisch stehen hat, dann ist es eigentlich mexikanisch und nicht kubanisch! Kann auch lecker sein, aber ist halt nicht das echte Cuba.

In diesem Sinne: buen provecho!!!
Euer Dietmar