La noche de brujas – Die Nacht der Hexen

Halloween ist in Cuba genau wie in Deutschland nichts, das traditionell gefeiert wird. Aber immer mehr junge Leute verkleiden sich und feiern die Noche de Brujas, also die Nach der Hexen. Und natürlich kommt die Noche de Brujas, also Halloween, nicht von der katholisch-spanischen Kultur – der Abend vor Allerheiligen wird auf Kuba nicht besonders gefeiert – sondern Halloween kommt wie in Mitteleuropa durch Hollywood in unsere Häuser und Köpfe.

Dia de los Muertos – der Tag der Toten?

Nun könnte man als unbedarfter Europäer natürlich denken, dass in Cuba vielleicht auch der Día de Los Muertos gefeuert wird, wie beim Nachbarn Mexiko. Aber auch der Tag der Toten wird nicht gefeiert in Cuba, genauso wenig, wie in Cuba Chili gegessen wird 😉

Denn der Tag der Toten ist eine Mischung aus indigener, mexikanischer Tradition, die sich mit dem Katholizismus vermischt hat. In Cuba waren die Eingeborenen schon sehr früh ausgestorben oder zumindest so weit zurückgedrängt, dass sie keinen kulturellen Einfluss mehr hatten. Stattdessen gibt es in Cuba mit der Santería und anderer Sklavenreligionen einen starken afrikanischen Einfluss.

Die offizielle Position

Da Halloween, so wie es gefeiert wird, aus der nordamerikanischen Kultur kommt – der Ursprung ist zwar irisch, aber zu dem, was es ist, es ist erst in Amerika geworden – kann die kubanische Regierung Halloween nicht lieben und umarmen. Hier eine Auswahl an Äußerungen zum Thema:

Feier-Tag anstatt Feiertag

Nun sehen es die Jugendlichen und Studierenden etwas anders. Der tieferen Bedeutung wird kein großes Gewicht beigemessen, es geht schlicht nicht um einen Feiertag, sondern einen Feier-Tag, also einen weiteren Tag zum Feiern, an dem man einfach Spaß hat. Die entsprechenden Vorlagen aus den Filmen sind jedem bekannt, da jeder die Produktionen aus Hollywood und von Netflix kennt. Deswegen geht es genau wie bei uns darum, das coolste Kostüm zu haben oder einfach einen schönen Rum mit den Freunden zu trinken – zu Hause oder am Malecón (da sollen auch schon Leute mit Kostümen aufgetaucht sein).

Die Kostüme

Natürlich kann man in Cuba nicht einfach ins Fachgeschäft gehen oder im Internet ein Kostüm kaufen, sondern Kreativität ist gefragt. Genommen wird, was da ist und das Beste daraus gemacht. Es sei denn, man hat Verwandte in Miami, die ein Kostüm mitbringen oder geht zu einem kubanischen Kostümverlei – ja, sowas soll es auch geben 😉 Definitiv jedenfalls gibt es Kosmetikstudios, die die entsprechende Bemalung auf die Gesichter der Feiernden schminken.

Insgesamt muss man sagen, dass die Kubaner es nicht so genau nehmen mit Halloween. Klar, viele haben ein Horrorkostüm, aber das ist nicht unbedingt notwendig. Wer als Prinzessin oder Prinz gehen will, kann das auch, also eine Mischung aus Halloween und Karneval. Was zählt, ist die Verkleidung.

Kein „Trick or Treat“

Was es definitiv nicht gibt, sind Kinder, die herumziehen und an Türen klingeln, um entweder Süßigkeiten zu bekommen oder einen Streich zu spielen. Es geht eben eher um eine nette Feier als um eine 1:1 Kopie der Halloweenbräuche.

Fazit

Auch in Deutschland ist das Halloween-Fest nicht unumstritten, grundsätzlich mit ähnlichen Argumenten wie in Cuba. So gehören die Tage vor Allerheiligen (zumindest im katholischen Bereich) zu den Stillen Tagen, die nicht durch Feiern gestört werden sollten. Ebenso gemeinsam ist natürlich die Kritik am US-Amerikanischen kulturellen Einfluss.

Eine kleine Fußnote noch: auch in den USA gibt es Kritik an Halloween, und zwar aus evangelikalen Kreisen, die das Fest als heidnisch ablehnen. Wir sehen also: viele Leute kritisieren das Fest aus unterschiedlichen Gründen.

Wenn aber ein kleines Kind an unserer Tür klingelt, dann will ich auf jeden Fall kein Spielverderber sein und sorge dafür, dass wir zu Halloween immer ein paar Süßigkeiten zur Hand haben. Denn die Kinder kümmern sich nicht darum, wie wir zu Halloween stehen 😊 Also sorgt vor, vielleicht kommen heute ja auch Kinder bei euch vorbei!

Happy Halloween,
Euer Dietmar

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Fotos in der Reihenfolge ihres Auftretens (von Wikimedia):