Der Stand der Dinge in Cuba. Kuba-Brief Nr. 9

Von Andreas Knobloch, Havanna

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kuba-Interessierte,

dieses Mal gibt es eine kürzere Version des Kuba-Briefes. Der Sommer ist generell eine nachrichtenärmere Zeit und trotz weiterhin vergleichsweise niedriger Corona-Fallzahlen zieht sich die Pandemie auch auf der Insel und nagt am Arbeitseifer.

Die Corona-bedingten Restriktionen wurden – zumindest in Havanna – nun noch einmal verschärft. Seit dem 1. September gilt für die Hauptstadt eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 19 Uhr abends und 5 Uhr morgens. Ebenso sind Reisen aus und nach Havanna derzeit verboten und nur aus außergewöhnlichen Gründen möglich. Damit soll die Mobilität in der Hauptstadt und mit dem Umland auf ein Minimum reduziert werden.
Eingekauft werden darf von den Bewohnern nur noch in ihrem jeweiligen Stadtteil. Und während im Rest des Landes der Schulbetrieb wieder aufgenommen wurden, dürfen die Kinder sowie ältere Menschen in Havanna selbst tagsüber nicht mehr auf die Straße.

Zuletzt waren die Infektionszahlen wieder stark gestiegen, vor allem gab es vermehrt Fälle, bei denen die Infektionsquelle nicht bestimmt werden konnte. Da Kubas Corona-Strategie aber auf der lückenlosen Verfolgung der Infektionsketten und rigoroser Isolierung der Kontaktpersonen basiert ein alarmierendes Zeichen. Auch waren im Zentrum und Osten des Landes, also Landesteilen, die bereits als „Coronafrei“ galten, wieder Infektionen aufgetreten.

Der verschärfte Lockdown in Havanna soll zunächst bis zum 15. September gelten. Sollte bis dahin keine signifikante Reduzierung der Fallzahlen erfolgen (Prognose der Fallentwicklung, siehe Grafik), „müssen viele der Maßnahmen beibehalten werden und andere neue hinzukommen“, so die Regierung.

Grafik: Geschätzte Corona-Fälle in Cuba

Grafik: Entwicklung der Corona-Fälle in Cuba, 2. Szenario
Quelle: Cubadebate

Am Freitag (4. September) vermeldeten die Behörden 52 neue Fälle, wovon mehr als 70 Prozent asymptomatisch waren. Bei 24 Fällen lag die Infektionsquelle im Ausland, es handelt also um mutmaßlich heimkehrende Mitglieder der zahlreichen Ärztemissionen. Insgesamt verzeichnet Kuba bisher 4.266 Corona-Fälle (677 aktiv); 100 Menschen starben bislang an den Folgen einer Corona-Infektion.

Gute Nachrichten dagegen gibt es bei der Entwicklung eines kubanischen Impfstoffs gegen SARS-Cov-2. Erste klinische Studien des Impfstoffkandidaten Soberana-01 laufen vielversprechend. Zudem werde an einem zweiten Impfstoff geforscht, heißt es.

Den ersten Wirbelsturm des Jahres haben wir glimpflich überstanden. Am 23./24. August fegte der tropische Sturm Laura entlang der kubanischen Südküste. Glücklicherweise gab es weniger Schäden als befürchtet. Über 435.000 Personen waren im Vorfeld des Sturms evakuiert worden; Tote oder Verletzte sind nicht zu beklagen. Mehr als 2.000 Wohngebäude wurden beschädigt und 14.200 Hektar landwirtschaftliche Anbaufläche. Am schlimmsten waren laut kubanischem Landwirtschaftsministerium mit 6.000 Hektar Bananenplantagen betroffen, aber auch große Flächen von Yuca, Mais, Kaffee, Kakao und Kokosnüssen sowie Tabakfelder wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Derweil macht sich die US-Administration einen Spaß daraus, Sanktionen an markanten Geburtstagen zu verhängen. Nach dem Vorgehen gegen das kubanische Finanzinstitut Fincimex am Geburtstag von Raúl Castro, wurden am Geburtstag seines Bruders Fidel Castro Maßnahmen gegen private Charterflüge verkündet. Zudem musste – wie in einer früheren Ausgabe des Kuba-Briefes berichtet – das US-Unternehmen Marriott zum 31. August den Betrieb des Four Points by Sheraton-Hotel in Havanna einstellen. An diesem Tag lief die Genehmigung zur Geschäftstätigkeit auf der Insel aus, nachdem die Regierung von US-Präsident Donald Trump die Betriebslizenz nicht erneuert hatte. Das Hotel war das erste seit 1959 auf Kuba, das von einem US-Unternehmen geführt wurde und somit ein Symbol der von der Regierung des ehemaligen Präsidenten Barack Obama begonnenen Annäherungspolitik.

Verschärfte Sanktionen, schwierige Versorgungslage und Corona ohne Ende – die Aussichten sind also weiterhin alles andere als rosig. Ihnen wie immer viel Spaß beim Lesen! Rückmeldungen, Anregungen und Kritik sind sehr willkommen.

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!
Andreas Knobloch

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