Wo gibt es Schuhe, Fernseher, Schwämme und Bier? Die neue App hilft, die Produkte zu finden

„Donde hay?“ heißt die neue App, „Wo gibt es…?“. Damit wird ein Problem angegangen, das es in Cuba schon lange gibt und das die Bevölkerung sehr aufbringt: es gibt zu wenig Produkte auf dem Markt und wenn die Produkte dann in die Läden kommen, werden sie unter der Theke weiterverkauft.

So sieht die Webseite aus: sehr aufgeräumt.

Die neue App listet die Produkte auf, die es in jedem staatlichen Geschäft in ganz Cuba gibt und macht es damit einfach, wirklich zu finden, was man sucht. Behauptet der Verkäufer nämlich, der Schwamm, Fernseher, Toilettensitz oder eben das Bier ist nicht auf Lager, kann man ihm nun die App zeigen. Und magischer Weise taucht das Produkt dann aus dem Warenlager auf – denn wenn nicht, kann jeder User den Vorfall melden. Die folgenden Kontrollen wollen die Verkäufer natürlich vermeiden!

Mein Dank für die Info über die App gilt Marcel von Cuba Heute, meinem bevorzugten Lieferanten von aktuellen Infos über Cuba.

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Die Benutzung

Wir nehmen uns mal zwei Produkte vor, an denen wir testen, wie die App funktionert, ein allgemeines Produkt, einen Haushaltsschwamm, und eines, das zum Überleben wichtig ist, unser geliebtes Bucanero 😀

Die App gibt es nur für Android, Apple haben eben nicht viele Kubaner. Aber auch im Internet könnt ihr nach Produkten suchen, d.h. ihr könnt das gleich mal testen: „Donde hay“!

Zuerst suchen wir den Haushaltsschwamm

Ihr braucht einen Schwamm zum Saubermachen? Nach einem einfachen Haushaltsschwamm kann man stundenlang in Havanna suchen. Also unser erster Test, die Suche nach einen Haushaltsschwamm 😊

  1. Die Webseite geöffnet.
  2. „esponja“ in die Suchmaske eingeben
  3. Den passenden Schwamm suchen. Zwischen vielen Schwämmen für Schuhe finden wir einen, der sagt „Fregar“, also zum Schrubben. Der passt für unseren Zweck. Leider sind nicht alle Beschreibungen selbsterklärend und Bilder gibt es natürlich auch nicht für jeden einzelnen Schwamm 😉
  4. Nach einem Klick auf die Lupe finden wir die Geschäfte, die diesen Schwamm haben.
  5. Ein bisschen runtergescrollt, finden wir das erste Geschäft in Havanna, TP-Burbuja in der Avenida Carlos III, die diesen Schwamm haben müssten. Kostet 1,25 CUC, 403 Schwämme sind noch vorhanden.
  6. Nun kann ich mir noch die Adresse und die Öffnungszeiten anzeigen lassen.
  7. Wer gerne schneller zum Ziel kommen möchte, kann im links oben im „Burger“-Menü die Provinz und den Preis voreinstellen oder nur rabattierte Produkte auswählen.

Die Webseite gefällt mir von der Benutzerführung, sie ist einfach und ohne Schnörkel umgesetzt, nichts führt vom Ziel weg, alles führt zum Ziel hin. Das ist nicht nur gut für alle Webseiten weltweit, sondern genau auch das, wie man es für das schwierige kubanische Internet braucht.

Nun suchen wir was wirklich wichtig ist: das Bucanero

Nun, von der Kür zur Pflicht. Was wollen wir mit einem Schwamm? Jetzt schauen wir, ob wir in Habana Vieja ein Bucanero kaufen können 😉 Und ich meine nicht von Privaten mit einem CUC Preisaufschlag, sondern ich will ein halbes Duzend Bucanero zum staatlichen garantierten Preis.

Zum Start suchen wir uns diesmal erst die Provinz aus, „La Habana“, danach den Bezirk, also „La Habana Vieja“. Die Auswahl erfolgt dann nicht mit einem Knopf oder automatisch, sondern ich muss zurück auf die Hauptansicht und dann den Filter anwenden, etwas unverständlich – allerdings zeigt mir die Webseite ein Achtung-Ausrufezeichen und da weiß ich nicht, ob ich alles richtig eingestellt habe. Na, schauen wir mal, ob ich noch zu meinem Bucanero komme!
Ok, also „bucanero“ in die Suchmaske eingegeben und siehe da, er findet ein Produkt, genau unser geliebtes Bucanero in der Dose zu 355 Millilitern. Dazu gibt es sogar ein Foto, um uns den Mund wässrig zu machen!

Und wirklich, wir finden in Habana Vieja genau ein (!) Geschäft, das Bucanero führt, Vives y San Nicolas, genannt wie die entsprechenden Straßen, an der der Laden liegt. Dort gibt es zur Zeit 1.728 Dosen zum Preis von je 1 CUC.

Ein kurzer Blick auf die Karte – ja, da kommen wir gleich noch hin! Leider kann man die Karte nicht zoomen, aber die Auflösung ist ausreichend.

Ein Laden ist wahrlich nicht viel, deshalb gehe ich nochmal in den Filter rein und kreuze „Centro Habana“ an, Vedado finde ich im ersten Anlauf nicht. Ah ja, Vedado ist ein Teil von „Plaza de la Revolución“, dort setze ich mein zweites Kreuz. Auf den „zurück“-Pfeil geklickt und mit „aplicar“ den Filter angewendet. Nun finde ich nicht nur die Cerveza Bucanero, sondern ich auch Malta Bucanero kaufen, nein lieber nicht 😉 Ich suche das richtige Bier. Und immerhin, 16 Geschäfte führen ausreichend Bucanero für ein schönes Wochenende!

Andere Apps, die Cuba gerade an den Start bringt

Nicht nur im Bereich „Versorgung der Bürger“ will Cuba einiges tun, sondern einige Dienste an den Start bringen, die die Benutzung des Internets vereinfachen sollen. Dabei will Cuba einerseits Alternativen zu bestehenden US-amerikanischen Diensten schaffen und andererseits Dienste anbieten, die auf die langsame Internetinfrastruktur Cubas angepasst sind. In Sachen Datenschutz wird sich Cuba hier allerdings sicher an China orientieren und weniger an Deutschland 😉

Einige Services und Apps, die in nächster Zeit herauskommen oder die schon auf dem „Markt“ sind:

  • RedCuba, eine Suchmaschine speziell für kubanische Inhalte:  Damit soll neben der schnellen Recherche über das Intranet auch der Zugang zu Bürgerportalen der Gemeinden erleichtert werden. Dies ist, zumindest was die Suche angeht, ein Konkurrenzprodukt zur Google-Suche. Ob RedCuba besser funktioniert, hängt vor allem davon ab, wie viele Leute dort suchen. Denn Suchen sind heutzutage Auswertungen des Verhaltens und je mehr Daten man bekommt, desto besser die Suche. Suchen also mehr Leute in Google, gibt es dort die besseren Ergebnisse, suchen mehr in RedCuba, wird man eher dort fündig.
  • toDus – ein Instant Messenger: Auch im Bereich der Messenger will Cuba mitmischen. toDus ist für den Gebrauch im kubanischen Internet optimiert, d.h. er geht verbrauchsschonend mit der Datenübertragung um.
  • Picta – eine Streamingplattform mit Audio und Video: auch im Bereich YouTube und Instagram will man mit Picta eine Alternative schaffen. Ob das wirklich nötig ist? Vielelicht ist es die Antwort darauf, dass die kubanischen Kanäle auf YouTube vom Embargo betroffen sind, denn auf Picta sollen auch alle Fernsehsendungen online abrufbar sein
  • Apklis Appstore: für kubanische Apps gebauter App-Store. Aktuell werden die Apps ja über das Paquete Semanal verteilt und der kubanische Staat wollte schon einmal eine Alternative dazu schaffen, die scheiterte. Wir werden die die Entwicklung verfolgen!

 

Mein Fazit zur Preissuche

Wie sich die Preis-Suchmaschine in der Praxis bewährt, ist natürlich noch nicht klar. Sie macht aber sicher aus der Not eine Tugend, denn dank der sozialistischen Bewirtschaftung sind alle Läden und Produkte zentral erfasst. Dass es wenig Produkte gibt, es eine Seite der Medaille, die Hamsterkäufe und die Massenkäufe der Paladares sind natürlich die andere. Diese verschärfen die Situation unnötig – und genau dieses Problem löst die App hervorragend.

Ich bin gespannt, wie sich die Preissuche auf Seiten wie Revolico auswirkt, einem kubanischen eBay-Kleinanzeigen. Meine Prognose wäre ja, dass dort die Zugriffe zurückgehen und die Preise fallen.

Ihr seht, dieses Thema macht mir als Online-Marketer viel Spaß, verbindet es doch meine Leidenschaft für das Internet mit meiner anderen Leidenschaft für Cuba 😊

Ich wünsche euch viel Spaß in Cuba,
Dietmar

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