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Rundreise durch Kuba mit dem Auto – Reisebericht von Jannik

Eine Rundreise durch Kuba mit dem Auto – ein Reisebericht von Jannik Lindner

Da ich mich schon seit meiner Schulzeit sehr stark für Geschichte und unterschiedliche Kulturen interessiere, war für mich klar, dass ich früher oder später auch einmal nach Kuba reisen musste. Ein Land, das durch seine Vergangenheit einfach anders ist als viele andere. Im Jahr 2016 dann rieten mir ein paar Freunde, dass ich meine Reise so schnell wie möglich antreten solle, da sich Kuba, das war kurz nach Fidel Castros Tod, momentan sehr stark verändert.

Also schnappte ich mir meinen Vater und buchte mit ihm eine Reise. All-Inclusive in Varadero – das alleine war uns zu langweilig. Strandurlaub, das wollten wir uns lediglich am Schluss der Reise gönnen. Leider hatten wir für die Reise nur zwei Wochen zur Verfügung, weshalb wir uns lediglich auf einen Teil der Insel fokussieren wollten.

Jannik Lindner ist ein bekennender Reisender, der gerne in neue Kulturen eintaucht und fremde Länder kennen lernt. Auf seinen Reisen interessiert er sich besonders für das Essen im jeweiligen Land und liebt Städte am Meer. Um sich seine Reisen als Digitaler Nomade finanzieren zu können, hat er mit ein paar Freunden das Verbraucherportal Kaufberater.io gegründet.

Der Reiseplan

Da wir beide zum damaligen Zeitpunkt recht eingespannt waren, suchten wir uns jemanden der die Reise im Groben organisierten. Wir buchten zusammen mit einem lokalen Reisebüro eine Rundreise mit dem Auto bei einem der bekannteren Urlaubsanbieter.

Starten sollte unsere Reise in Havanna, von wir dann unser Mietauto abholen sollten, um anschließend in Richtung Westen aufzubrechen. Anschließend sollte uns der Reiseplan wieder zurück nach Havanna führen, von wo aus wir dann in Richtung Cienfuegos und Trinidad aufbrechen sollten. Die letzten Tage reservierten wir für Entspannung am Strand in Varadero.

Abflug und Ankunft in Havanna

Mitte Dezember ging es dann endlich los, wir flogen von Frankfurt am Main in Richtung Havanna. Bereits beim Abflug gab es das erste kleinere Problemchen, welches eine Kette von weiteren Schwierigkeiten auslösen sollte. Uns wurde vom Flugpersonal gesagt, dass das Visum von meinem Vater nicht für gültig anerkannt werden könnte, da er einen Schreibfehler ausgebessert hatte. So ging er auf Nummer sicher und kaufte für 50 Euro ein neues Visum. Wahrscheinlich hätte es dort niemanden interessiert.

In Havanna angekommen, war es bereits recht spät und wir wurden von einem Shuttle abgeholt, welcher uns ins unser Hotel im Zentrum von Havanna brachte. Zu unserer Verwunderung wurden wir allerdings zu einem anderen Hotel gefahren, als in unserem Reiseplan stand. Da wird recht müde vom langen Flug waren, machten wir uns nicht weiter Gedanken darüber.

Der erste Tag in Havanna

Am nächsten Morgen nahmen wir uns Zeit für ein ausgiebiges Frühstück im Hotel. Anschließend gab es wieder ein kleines Problemchen, da wir vergeblich auf unseren Reiseleiter warteten, der uns mit Infomaterialien zu unserer Rundreise versorgen sollte. Dieser tauchte dann allerdings etwas verspätet auf und gab uns detaillierte Anweisungen, welche Straßen wir nehmen und was wir generell beim Autofahren auf Kuba beachten sollten. Leider waren diese Informationen so komplex, dass wir uns nicht alles merken konnten. Hätten wir mal lieber mitgeschrieben.

Unser Kontaktmann bot uns eine persönliche Führung durch Havanna an, die wir dankend annehmen. Schließlich hatten wir uns kaum vorbereitet und wollten innerhalb des einen Tages in Havanna so viel wie möglich sehen.

Havanna erlebten wir als eine sehr spezielle und gleichzeitig schöne Stadt. Das Zentrum ist recht modern und renoviert, insgesamt laufen doch einige Touristen durch die Straßen. Bei sonnigen 27 ° C führte uns der Reiseleiter durch die verschiedenen Stadtteile und erklärte uns auch spannende Hintergründe zur Historie der Stadt. Gegen Mittag verabschiedeten wir uns dann und machten uns alleine auf Entdeckungstour. Wir wagten uns dabei auch ein wenig aus dem Stadtkern hinaus.

Beides Havanna, oben der renovierte Teil, unten der nicht renovierte Teil.

Dort mussten wir schnell feststellen, dass Kuba in der Tat ein sehr armes Land ist und die Wirtschaft nach wie vor nicht richtig funktioniert. Die Gebäude in den Wohngegenden um das Zentrum herum waren oft zerfallen, metertiefe Löcher befanden sich im Asphalt auf den Straßen und Menschen wohnten teilweise in Häusern ohne Fenster. Immer wieder wurden wir von Einheimischen angesprochen, die uns um Geld für ihre Kinder baten oder sich einfach nur mit uns unterhalten wollten. Einige versuchten uns in bestimmte Bars oder Restaurants zu schleppen, wahrscheinlich um vom Besitzer Provision zu erhalten.

Doch auch als es dunkler wurde, fühlten wir uns allerdings weitgehend sicher und die meisten Menschen reagierten positiv auf uns. Abends ging es dann wieder zurück in den Stadtkern, wo wir auch etwas zu essen fanden und in einer der bekannten Bars noch einen Cocktail zu uns nahmen.

Weiterreise nach Viñales und Pinar del Rio

Am nächsten Tag ging es bereits recht früh mit dem Taxi zum Flughafen. Dort holten wir unseren Mietwagen ab, was sich als nicht so ganz einfach herausstellte. Ein kleiner Tipp: Wer in Kuba unterwegs ist, braucht schlichtweg viel Geduld da die Maschinerie dort wesentlich langsamer läuft, als in Europa.

Die Kaution für den Wagen mussten wir in Bar hinterlegen, da das Visa-System kurzfristig nicht funktionierte. Weitere Erkenntnis: Immer genug Bargeld dabei haben.

Die erste Autofahrt in Richtung Pinar del Rio im Westen der Insel verlief bis auf einen kleinen Monsunregen zunächst recht unspektakulär. Auf den Autobahnen war kaum Betrieb und die Strecke war solide ausgeschildert. Kurz vor dem Ziel wurden wir allerdings von einem Mann mit einer Art Polizeiuniform angehalten. Dieser erklärte uns in gebrochenem Englisch, dass ein Bus ausgefallen sei und fragte uns, ob wir einen der Mitarbeiter bis nach Pinar del Rio mitnehmen konnten. Verunsichert stimmten wir zu und nahmen ihn mit. Er erklärte uns unterwegs, dass er auf einer Tabakplantage arbeitet und bot uns an, dort eine kostenlose Führung zu bekommen. Da wir das sowieso vorhatten, stimmten wir zu und brachten den Arbeiter zu seiner Plantage in Pinar del Rio.

Tal von Viñales

Die Führung auf der Farm war an sich ganz in Ordnung und wir ließen uns am Schluss auf einen Kauf von Zigarren ein. Als wir diese in Deutschland probieren wollten, mussten wir allerdings feststellen, dass die Zigarren nicht zogen. Ob wir dort einem Betrüger auf den Leim gegangen sind, lässt sich nicht wirklich sagen. Man sollte eben vorsichtig sein, wem man sein Geld gibt. Pech gehabt.

Ansonsten verliefen die Tage in Pinar del Rio und im Tal von Viñales recht entspannt. Wir machten auch einige Touren mit dem Mietwagen und fuhren in entlegene Dörfer. Immer wieder waren wir erstaunt über die schlichten Verhältnisse und schlechten Straßenzustände. Die Menschen reagierten aber alle positiv auf uns.

Rückreise nach Havanna und Weiterfahrt nach Cienfuegos

Nach einigen Tagen machten wir uns auf den Rückweg in Richtung Havanna, von wo aus wir unsere Reise dann nach Cienfuegos fortsetzen wollten. In Havanna selbst wollten wir kurz auftanken und dann weiterfahren, da wir auch etwas unter Zeitdruck standen und Cienfuegos unbedingt vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wollten.

Als wir uns in Havanna auf der Suche nach einer Tankstelle verfuhren, passierte das, was wir schon lange befürchtet hatten: Wir fuhren in eines der tausenden Schlaglöcher und unser linker Vorderreifen platzte.

Die Straßenverhältnisse in Kuba sind nicht ganz europäischer Standard.

Bei 30 °C im Schatten wechselten wir auf das Notrad, machten uns weiter auf die Suche nach einer Tankstelle und wollten schließlich zum Flughafen zurückkehren, um unser Rad reparieren zu lassen. Dies stellte sich allerdings als nicht so einfach wie gedacht heraus und wir brauchten über 3 Stunden, bis wir unsere Reise fortsetzen konnten.

So ließ es sich nicht vermeiden, dass wir bei Einbruch der Dunkelheit noch nicht in Cienfuegos angekommen waren. Kubas Straßen und Autobahnen sind aufgrund der Schlaglöcher bereits unter Tage eine Herausforderung. Nachts ist es aber eine Meisterprüfung, da Ochsenkarren, Fahrradfahrer und Personen unbeleuchtet auf stockfinsteren Straßen herumfahren oder laufen. Die zahlreichen Schlaglöcher sind dann ebenfalls nicht mehr zu sehen. Zudem muss man sehr genau aufpassen wo man hinfährt, da es so gut wie keine Beschilderung gibt und das Navigationsgerät ebenfalls nur sehr eingeschränkt funktioniert.

Cienfuegos und Trinidad

Schließlich schafften wir es doch noch nach Cienfuegos und waren beide körperlich komplett am Limit. Den nächsten Tag verbrachten wir entspannt in Cienfuegos, einer kleinen, recht idyllischen Stadt und setzen unsere Reise dann nach Trinidad fort.

Trinidad ist ein idyllisches Städtchen und bietet auch recht viel Tourismus.

Trinidad gefiel uns insgesamt am besten, da es dort recht viele Bars und Restaurants gibt. Wir verbrachten dort zwei Tage und unternahmen auch einen Ausflug an einen benachbarten Strand oder ins Tal der Zuckermühlen (Valle de los Ingenios). Eine sehr schöne Gegend, die wir definitiv empfehlen können.

Weiterfahrt nach Varadero

Nachdem die ersten 1,5 Wochen unseres Urlaubes eher Abenteuer als Entspannung waren, freuten wir uns umso mehr, die letzten Tage entspannt am Strand in Varadero verbringen zu können. Laut Google Maps lagen knappe 4 Stunden Autofahrt von Trinidad nach Varadero vor uns und so machten wir uns keinen Zeitdruck.

Wir planten unsere Route so, dass wir möglichst viel Autobahn fahren konnten. Trotz Google Maps und Straßenkarte gelang es uns nicht, einen direkten Weg nach Varadero zu finden. Unterwegs folgten wir einer Straße knappe 10 Kilometer, um dann zu merken, dass die Straße einfach im Nirgendwo aufhört. Immer wieder stießen wir auf ein Schild mit der Aufschrift Habana (Havanna), allerdings war die Beschilderung so schlecht, dass wir uns immer wieder verfuhren. Die Tatsache, dass kaum ein Auto auf der Autobahn fährt, macht das Navigieren nicht unbedingt leichter. Vielleicht hatten wir einfach nur Pech.

Die Schönheit von Varadero spricht für sich.

Nach knappen 7 Stunden Autofahrt erreichten wir dann schließlich Varadero und unser Hotel, wo wir den Mietwagen gleich zurückgeben konnten. Die letzten 4 Tage verbrachten wir in einem 4-Sterne Hotel und entspannten uns an den wunderschönen Sandstränden.

Fazit der Rundreise durch Kuba

Die Reise nach Kuba hinterließ gemischte Gefühle bei uns. Auf der einen Seite ist Kuba ein spannendes Land mit einer sehr speziellen Kultur. Das Essen beispielsweise ist sehr schlicht, wirkliche Delikatessen fanden wir selten. Auf der anderen Seite mussten wir aber feststellen, dass die Organisation seitens des Reisebüros sowie auf unserer Seite schlichtweg nicht ausgereicht hat.

Wer einen entspannten Urlaub erleben möchte, der sollte Kuba nicht mit dem eigenen Auto erkunden. Mitarbeiter des Resorts in Varadero hielten uns sogar für verrückt und meinten, dass sie selbst nicht den Mut aufbringen könnten, mit dem eigenen Auto durch Kuba zu fahren. Ich glaube mit einer organisierten Busreise, egal ob auf eigene Hand oder mit einer Reisegesellschaft, ist man wesentlich besser bedient.

Gleichzeitig bin ich aber auch extrem dankbar für alle Erlebnisse, da wir, im Gegensatz zu den Pauschaltouristen in Varadero, das wahre und echte Kuba mit all seinen Facetten erlebt haben. Kuba ist an vielen Stellen kein Paradies, sondern ein sehr armes Land. Von einer Amerikanisierung merkten wir recht wenig. Internet gab es eigentlich in jeder Stadt in Hotels oder an öffentlichen Hotspots, in einer mehr oder weniger guten Qualität. Die Kosten waren aber mit 1,50 € bis 2 € pro Stunde recht hoch. Grundkenntnisse in Spanisch sind ebenfalls von Vorteil, da nicht jeder Englisch spricht.

Die Organisation mit der Reisegesellschaft verlief leider überhaupt nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir zahlten unter dem Schnitt deutlich zu viel und wurden kurzfristig in qualitativ schlechtere Hotels umgebucht. Ihr solltet also sehr vorsichtig sein, bei wem ihr die Reise bucht. Ich würde die Reise auf jeden Fall erneut antreten, mich allerdings das nächste mal deutlich besser vorbereiten. Der Zeitraum von 2 Wochen war definitiv zu kurz, wir hätten uns gerne auch noch mehr vom östlichen Teil der Insel angeschaut


Habt ihr auch Kuba-Erfahrungen, die ihr loswerden wollt? Immer her damit, Kubanews. ist genau der richtige Ort, um eure Reiseerlebnisse zu veröffentlichen!

Lieben Dank an Jannik für den Artikel,
Euer Dietmar

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