Die Beatles in Cuba – eine ganz besondere Beziehung

Wer durch Cuba fährt, dem begegnen die Beatles an vielen Ecken und wenn man nachfragt, stellen wir fest, dass Cuba schon immer eine besondere Beziehung zu den Beatles hatte. Anfangs die Angst vor dem “Amerikanischen” Einfluss der Beatles – der natürlich niemanden abhielt, ihre Songs zu hören – bis in die heutige Zeit mit einer Vielzahl von Bars mit Beatles-Thema.

Und welcher Musiker auch immer heute gerade nach Cuba geht (Stones, Rihanna etc.), einer ist schon da: John Lennon sitzt seit dem 8. Dezember 2000 in dem nach ihm benannten Parque John Lennon – also zumindest seine Statue 😉 Aufgetreten sind die Beatles in Cuba natürlich nie, denn 1964 wurden sie in Cuba verboten. Jetzt werden sie gebührend gefeiert – im Januar war gerade Beatles-Woche in Cuba.

Und während es überall auf der Welt Beatles-Fans gibt, haben die Cubaner eine ganz besondere Beziehung zu den Beatles entwickelt. Das liegt sicher auch an der wechselvolle Beziehung der beiden, den Verboten und der Uminterpretation. Auf jeden Fall sind die Beatles für Cuba nicht nur einfach eine Band, sondern inzwischen Teil des kulturellen Erbes.

Cuba und die Beatles

Die Beatles sind schon lange ein starker Teil der kubanischen Alltagskultur, auch wenn es nicht von Anfang an eine Liebesgeschichte war. So heißt es von Senel Paz noch 1990 in El lobo, el bosque y el hombre nuevo, der Vorlage zu Erbeer und Schokolade: „Sie mag die Beatles und den Liedermacher Silvio Rodríguez, und ich nur die Beatles, auch wenn ich nicht weiß, ob das zulässig ist, weil sie doch Amerikaner oder Engländer sind.

Oder Leonardo Padura, der Mario Conde denken lässt: „Vom ersten Schluck an wusste El Conde aufgrund seiner Trinkerfahrung, dass Rum mit alten Beatles-Songs, beides genossen mit alten Freunden, eine explosive Mischung sein konnte.“

Kubanische Briefmarke mit den Beatles von 2016Und auf der anderen Seite haben wir in Havanna den beschaulichen Parque Lennon, daneben das „Submarino Amarillo“, in Varadero den Beatles Club, in Bayamo die Beatles-Bar, alles staatliche Institutionen, die die Beatles auf ihre Fahnen geschrieben haben – ein deutliches Abbild, wie die kubanische Liebe zu den Beatles langsam mehr und mehr gewachsen ist, auch von staatlicher Seite.

Und da diese Geschichte so spannend ist, möchte diesen Artikel nutzen, um euch einen kleinen Einblick in die Beziehung Cubas zu den Beatles zu geben – doch zuerst einfach mal die Beatles-Orte Cubas vorstellen.

Wo ihr die Beatles in Cuba findet

Cuba hat seinen Frieden mit den Beatles gemacht und nicht nur das, die Beatles scheinen das Thema für die kubanische Art des Hard Rock Café zu sein. Denn neben Orten wie den Parque Lennon gibt es das Submarino Amarillo in Havanna, die Beatles Bar in Varadero, eine Yesterday Bar in Camagüey sowie eine in Trinidad. Und in Holguín soll es auch eine geben mit Namen La Caverna (The Cavern war der Club, in dem die Beatles zum ersten Mal auftraten). Dann gibt’s noch die Beatles-Bar in Bayamo, in der eigentlich nie etwas los ist (danke, Lutz, für die Info!). All diese Orte eint, das sie Bronzestatuen der Beatles haben (ok, beim Submarino Amarillo sitzt der Lennon 100 Meter entfernt und genießt die Ruhe im Park).

In allen diesen Clubs werden neben kubanischer Musik auch immer Beatles-Songs gespielt. Im Submarino Amarillo z.B. muss jede Band, egal, was sie sonst spielt, immer auch 25% Beatles-Songs spielen, um dem Thema treu zu bleiben.

Aber wie ist es überhaupt zu der Bitlemanía in Cuba gekommen?

Die Wahrnehmung der Beatles

Die Sechziger Jahre: Die Beatles als „Amerikanischer Einfluss“

1964 wurden die Beatles in Cuba verboten. Ihr „Amerikanischer” Einfluss sei selbstsüchtig, es ginge ihnen nur um Konsum und die Beatles wurden nicht als die Revolutionäre gesehen, die die Musiker eigentlich waren.

Das „Amerikanisch“ bezieht sich übrigens nicht auf die Herkunft der Beatles, die kommen ja aus England, sondern die Art der Musik und des Lebensstils, der der revolutionären kubanischen Ethik der 60er Jahre zugegen lief. Cuba war in den 1960ern unter dem Eindruck der Schweinebuchtinvasion und anderer Angriffe aus den USA und war gleichzeitig damit beschäftigt, den neuen Staat aufzubauen. Die Beatles passten da überhaupt nicht ins Bild und wurden als Gegensatz wahrgenommen, als die Avantgarde des egoistischen Konsums, nicht als Revolutionäre, die Musiker waren.

Auf der Straße war das natürlich ganz anders, dort verehrte man die Beatles: die jungen Leute trugen lange Haare, trugen andere Klamotten als die Generation davor, um ihren Idolen zu folgen und redeten von der Revolution. Wenn sie dann inhaftiert wurden, sagten sie, dass doch auch Fidel und Ché lange Haare getragen hätten, als sie aus den Bergen kamen. Ein klarer Widerspruch zwischen dem Staat und der Jugend.

In den späten 1960er Jahren beispielsweise hatte sich Silvio Rodríguez in seiner TV-Show für die Beatles eingesetzt. Das war zu viel für den Staat, Silvio verlor seine TV-Show und seinen Job beim Fernsehen, alles wegen der Beatles.

Die 70er und 80er Jahre: Duldung

In den 1970er Jahren lockerte sich die Einstellung des kubanischen Staats zu den Beatles ein wenig. Hilfreich dabei war sicher, dass die Beatles sich 1970 aufgelöst hatten, also kein aktuelles Phänomen mehr waren und andererseits in ihren letzten Jahren auch stärker ihre revolutionären Ideen verteidigt hatten. So liefen dann 1971 das erste Mal Beatles-Songs im kubanischen Radio. War alles gut? Nein, noch nicht, wie Dionisio Arce, Mitglied der Metal-Band „Zeus“ beschreibt: „1979 war ich auf einer Party, auf der die Beatles gespielt wurden. Die Polizei beendete die Party und konfiszierte die Platten.“

Oder wie Leonardo Padura in Handel der Gefühle die Einstellung der Jugend zur Musik in den 70ern beschreibt: „Hier waren die besten Partys seiner Oberstufenzeit gewesen. Immer hatte eine Band gespielt, Los Gnomos, Los Kent, Los Signos, natürlich keine Latino-Musik, immer wurde Rock’n’Roll getanzt, nie Salsa.“

Die 90er: Die Wende

Die 1990er brachten in Hinblick auf die Beatles die Wende mit regelmäßigen Shows über die Beatles im Fernsehen und Beatles-CDs in den Geschäften (für ~20$). Verantwortlich dafür war hauptsächlich Ernesto Juan Castellanos, der in seinem Kampf um die Rehabilitierung der Beatles in Cuba zwischen 1996 und 1999 Beatles-Tagungen organisierte. Diese führten dann schließlich wirklich zur Rehabilitierung der Beatles, mit einer großen Zeremonie – doch da sind wir schon in den 2000er Jahren.

Die 2000er Jahre: der kubanische Staat macht seinen Frieden mit den Beatles

Am 8. Dezember 2000 enthüllte Fidel Castro persönlich eine lebensgroße Bronzestatue John Lennons, auf einer Bank in einem Park in Havanna, der heute Parque John Lennon heißt. Dabei wurde All You Need Is Love gespielt. Unterstützt wurde er dabei übrigens von Sivlio Rodríguez.

Die Enthüllung der John-Lennon-Statue 2000

In Castros Augen war John Lennon ein Dissident, verfolgt von der US-Regierung und somit kein Symbol des dekadenten Westens mehr, sondern ein Revolutionär aus der Arbeiterklasse – und damit ein Verbündeter in Cubas Kampf.

Fidel entschuldigte sich in diesem Zusammenhang auch persönlich für das Vorurteil gegenüber den Beatles, da ihm erst später klar geworden sei, welche wichtige Rolle John Lennon im Kampf für den Frieden gespielt hätte.

Was vorher verboten war, wurde in den 2000ern nun also promoted, in der Hauptsendezeit wurden Beatles-Konzerte gezeigt und 2006 gab es sogar eine kubanische Beatles-Show, die es bis nach London schaffte: die Beatles mit Conga-Rhythmen.

Fazit: Beatles hören, bevor ihr nach Cuba fliegt 😉

Heute gehören die Beatles also zur offiziellen Kultur Cubas, ähnlich wie Charlie Chaplin (da wäre ich übrigens für Hinweise dankbar, warum es Charlie auch ins kulturelle Erbe Cubas geschafft hat).

Die Beatles wären nie ein so starker Teil Cubas geworden, hätten sie nicht diese wechselvolle Geschichte gehabt: einerseits verboten, andererseits die Musik der Jugend, revolutionär oder nicht? Auf jeden Fall irgendwann von Fidel Castro als Revolutionäre anerkannt.

Also: wenn ihr das nächste Mal nach Cuba fliegt, besucht die Beatles-Clubs, sind zwar etwas touristisch, aber doch schöne Orte, um die Widersprüche Cubas zu genießen.

In diesem Sinne: I say hello aus Berlin and ihr vielleicht Goodbye auf dem Flug nach Cuba!
Saludos,
Euer Dietmar

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