Tabak kannst du nicht einfach pflanzen, den musst du heiraten.

//Sprichwort

Wer nach Cuba fährt, muss ins Valle de Viñales

Es gibt ein paar Ziele, die man in Cuba gesehen haben muss: Havanna, Trinidad und natürlich Viñales mit dem Valle de Viñales, dem Tal von Viñales. Es ist eine der spektakulärsten Naturschönheiten Cubas, die 1999 von der UNESCO erst zum Kulturdenkmal erhoben wurde, um dann schließlich zum Weltkulturerbe aufzusteigen. Ursprünglich kommt der Name des Tals vom Wein, der dort mal angebaut werden sollte, aber der gedieh nicht, so dass man wieder zum Tabakanbau zurückging.

Die Topografie von Viñales – oder warum jeder dort Fotos machen möchte

Das besondere am Valle (gesprochen „Vajje“) de Viñales sind die Bergrücken, die Mogotes oder Elefantenrücken, die sich durch das gesamte Tal ziehen. Diese stammen von Kalksteinhöhlen, die vor 180 Millionen Jahren entstanden sind und im Laufe der Jahrtausende durch die Demineralisierung des Kalksteins zusammenbrachen. Übrig blieben nur die mächtigen Pfeiler, die wir heute als Berge sehen. Die zusammengebrochenen Höhlen hinterließen einen wunderbar fruchtbaren Boden, der sich ganz hervorragend zum Anbau von Tabak eignet (Verkarstung).

Aufgrund der Vegatation, der Isolation und der besonderen Bodensituation gibt es im Valle de Viñales eine einzigartige Flora und Fauna. Es gibt 20 Arten, die nur im Viñales-Tal anzutreffen sind, z.B. den Kubanischen Palmfarn (Microcycas calocoma). Er ist ein lebendes Fossil, das sich seit dem Karbon nicht mehr verändert hat. Als besondere Tierart gibt es ein rattenähnliches Nagetier, die Jutía (Baumratten), eine Stachelschweinverwandte.

Die Geschichte von Viñales

Traditionell ist die Gegend von Viñales von Auswanderern aus den Kanaren besiedelt, die dort im 18. Jahrhundert anfingen, Tabak anzubauen. Denn dort konnten sie, ohne erwischt zu werden, den Tabak an den Spaniern vorbei anbauen und natürlich auch verkaufen – zu der Zeit gab es nämlich in den spanischen Kolonien ein staatliches Tabakmonopol. Vor den Kanaren lebten im Tal Reste der Population der Taino-Indianer.

Siedlungscharakter bekam Viñales erst im ausgehenden 19. Jahrhundert, zur Stadt wurde es 1878. Heutzutage ist Viñales  mit etwas über 25.000 Einwohnern die zehntgrößte Stadt in der Provinz Pinar del Rio, ganz im Westen der Insel.

Die Tabak-Tradition

Der Boden in der Gegend eignet sich gut für den Tabakanbau, der deshalb auch seit Jahrhunderten dort in gleicher Weise betrieben wird – so dass selbst die Anbautradition Teil des Weltkulturerbes ist.

Allerdings kommt der beste Tabak – der, der für die Habanos verwendet wird – nicht direkt aus dem Valle de Viñales, sondern aus der Umgegend, der Vuelta Abajo. Dort wird nicht nur die berühmte Havanna-Zigarre hergestellt, sondern es ist auch die einzige Region überhaupt, in der alle drei Komponenten einer Zigarre (Einlage, Umblatt, Deckblatt) wachsen.

Es wurde oft probiert, die Havannas in anderen Regionen nachzuzüchten, dazu wurden nicht nur die Tabakpflanzen verpflanzt sondern sogar der Boden exportiert. Doch nirgendwo wird diese Mischung aus Klima und Boden erreicht, der den Havannas das besondere Aroma verleiht.

Sehenswürdigkeiten im Valle de Viñales

Viñales

Viñales selbst ist ein pittoreskes Städtchen, das nicht viele Besonderheiten zu bieten hat. Ein paar Restaurants, Souvenirshops, das übliche halt. Seit ein paar Jahren gibt es sogar einen Bankautomaten. Das erste Mal, als wir da waren, gegen 2012, mussten wir noch zur Bank gehen, um Geld abzuheben. Preislich liegt man aufgrund der touristischen Lage etwas über den Preisen von Havanna (mein persönlicher Eindruck).

Das Valle de Viñales

Aber nach Viñales fahren wir ja nicht wegen der Stadt, sondern wegen der Landschaft, dem Naturpark Sierra de los Órganos („Orgelpfeifengebirge“). Am spektakulärsten sind natürlich die Berge, die man am besten vom Mirador, dem klassischen Aussichtspunkt, sehen und fotografieren kann. Erkennbar sind gute Aussichtspunkte übrigens daran, dass dort viele Touristenbusse stehen 😉 Natürlich könnt ihr auch durch das Tal wandern und spazieren – wenn es nicht zu heiß ist, sonst ist es eine Qual.

Die Höhlen

Wer nicht unter Platzangst leidet, kann eine Bootstour durch das Höhlensystem des Tals machen. Zugänglich ist die Cuerva del Indio, 1920 entdeckt, eine von einem Fluss ausgewaschene Höhle – deshalb auch die Bootstour.

Die Anekdote sagt, sie sei das Versteck eines Häuptlingssohns gewesen, der mit der Tochter eines verfeindeten Häuptlings durchgebrannt war.

Auch die Cueva del Indio, die Cueva de San Miguel und die Caverna de Santo Tomás können besichtigt werden.

Das Wandgemälde

Im Valle de las Dos Hermanas, ein kleines Nebental des Valle de Viñales, gibt es eine weitere Sehenswürdigkeit, ein riesiges Wandgemälde: das Mural de la Prehistoria. Über 120 m hoch und 180 m breit, wird dort die Menschwerdung in bunten Farben dargestellt. Kreiert wurde das Mural Anfang der 1960er Jahre auf Anregung von Celia Sánchez, einer ehemaligen Guerillera und späteren Geliebten Fidel Castros. Leovigildo González Morillo, ein Schüler Diego Riveras, wurde mit der Umsetzung betraut.

Alle 5 Jahre müssen die Farben aufgefrischt werden, damit es weiter in seinen bunten Farben erstrahlt.

Reiten durch das Tal

Überall im Tal kann man auf Pferden ausreiten, entweder auf einer Weide oder in Form einer geführten Tour. Letzteres ist etwas anstrengender und garantiert malträtierte Schenkel 😉 Ich muss zugeben, dass ich das Reiten den Frauen überlassen habe, während ich mich mit meinen männlichen Mitstreitern schön in den Schatten gesetzt habe. In meiner Erinnerung hatte ich ein kühles Bier in der Hand – aber das würde ich nicht beschwören…

Unglaublicher Sternenhimmel

Viñales ist eine Kleinstadt abseits jeglicher Industrie und neben der Straßenbeleuchtung gibt es keine weiteren Lichter. Wenn man also abseits der Straßen oder auf einer Dachterrasse sitzt, dann seht ihr einen unglaublichen Sternenhimmel mit teilweise anderen Sternenkonstellationen als hier. Entweder ihr erfreut euch an den Sternen oder – als Hobbyastronomen – ihr analysiert die spannenden Sternbilder. Beides ein umwerfendes Erlebnis.

Und abends: in die Casa de la Cultura

Und wenn ihr den Abend ausklingen lassen wollt, bietet sich ein Besuch im schönen, alten Gebäude der Casa de la Cultura an. Dort gibt es Musik und Tanz, wer also das Tanzbein schwingen  will und Salsa tanzen oder lernen will, ist hier gut aufgehoben.

Strandausflug nach Cayo Jutias

Auch der Strandbesuch muss in Viñales nicht zu kurz kommen – wir sind ja schließlich auf einer Insel, d.h. die See ist überall nah dran 😉 Von Viñales aus könnt ihr mit einem gemieteten Auto oder mit Chauffeur (fragt eure Casa-Besitzer) nach Cayo Jutias fahren, ein wunderschönes Cayo mit weißem, feinen Sand und sehr flachem, ruhigen Wasser – genau das, was die Kubaner wollen: bloß keine Wellen…
Infrastruktur ist vorhanden, es gibt ein größeres Restaurant.

Fazit

Wenn ihr also euren Cuba-Aufenthalt plant, reserviert 2-3 Tage für Viñales. Von Havanna ist Viñales schnell mit dem Viazul-Bus zu erreichen, mit dem Mietwagen natürlich erst recht. Reserviert aber rechtzeitig eine Übernachtung, denn zur Saison wird Viñales regelrecht überrannt – es gab da mal die Geschichte, dass Touristen auf der Straße schlafen mussten, da alle Casas Particulares belegt waren. So schlimm ist es aktuell nicht mehr, aber ihr wollt sicher in einer schönen Casa oder einem der drei Hotels schlafen, deshalb: rechtzeitiges reservieren ist besser.
Ihr wollt euch noch einen besseren Überblick über das Valle de Viñales verschaffen? In der ARD-Mediathek findet ihr eine Folge über Vinales in der Reihe „Schätze der Welt – Erbe der Menschheit„.

Die Pinareños, also die Bewohner der Provinz Pinar del Río, gelten übrigens als die Ostfriesen Cubas, zumindest die aus den Witzen 😉

Genießt euren Cuba-Urlaub,
Dietmar

Du willst keinen Artikel verpassen? Abonniere doch unseren Newsletter!

 

Ähnliche Beiträge