Hemingway und Havanna: eine enge Beziehung – unsere 1-Tages-Tour durch Havanna

Hemingway und Havanna, das war eine intensive Liebe: das Fischen, die Cocktails, die Menschen. Hier fühlte Hemingway sich wohl, er verbrachte mehr als 20 Jahre in der Stadt. Sogar seinen Nobelpreis hat er Cuba vermacht. Und so begeben wir uns heute auf die Spuren dieses großen Schriftstellers und schauen, wo er in Havanna einen Eindruck hinterlassen hat. Welche waren Hemingways Bars, wo hat er gewohnt, wie seine Zeit verbracht.



Ihr könnt diese Tour etwa in einem Tag abfahren, entweder mit dem Mietwagen oder mit einem Chauffeur – mit Sammeltaxis geht es auch, aber das setzt schon einiges an Koordinationsvermögen voraus, da wir uns 2x in die Außenbezirke Havannas begeben. Aufgrund der beiden Cocktailbars würde ich euch empfehlen, euch einen Chauffeur zu suchen oder mit Taxis zu fahren – es wäre ja schade, wenn ihr nur an den Cocktails schnüffeln dürft, aber nicht trinken!

Die Hemingway-Tour

Karte: Auf den Spuren Hemingways: Finca, Cojímar, Bodeguita, Ambos Mundos, Floridita

Auf den Spuren Hemingways: Finca, Cojímar, Bodeguita, Ambos Mundos, Floridita

Hemingways Finca

Wir starten unseren Ausflug mit einem Trip in die Außenbezirke Havannas, nach San Francisco de Paula. Dort finden wir die Finca Vigia, also die Finca mit Aussicht, die Hemingway 1939 mietete, um sie 1940 zu kaufen. Dort wohnte er von insgesamt von 1939 bis 1960 mit seinen vielen Katzen und seiner dritten Frau Martha Gellhorn. Diese wollte nicht mit ihm im relativ kleinen Hotelzimmer des Ambos Mundos (s.u.) bleiben und suchte deshalb einen schönen Ort zum leben. Ab 1945 verbrachte er auf der Finca die Wintermonate mit seiner vierten Frau Mary Welsh Hemingway.

Die Finca ist als Museum erhalten und quasi in der Zeit eingefroren. Man darf das Innere nicht betreten, aber von außen könnt ihr gut hineinsehen und eigentlich wartet jeder darauf, dass Hemingway mit seinem Straßenkreuzer vor der Finca vorfährt, leicht angeduselt, und sich an die Schreibmaschine stellt (er schrieb gerne im Stehen). Was es nicht mehr gibt, sind die vielen Katzen, die die Finca früher besiedelten – ok, ein paar sind in Cuba ja immer da, aber nicht mehr 57 😉

Wem die Stunde schlägt, eines der erfolgreichsten Werke Hemingways, wurde überwiegend auf der Finca geschrieben, ebenso natürlich „Der alte Mann und das Meer“.

Hier ein kleiner Rundgang durch die Finca:

Die Pilar, Hemingways Boot

Hemingway liebte die See, das Fischen und sein Boot. Das steht nun auch in seiner Finca und nicht mehr im Wasser. Eigentlich hatte er das seinem Kapitän und Bootskoch Papa Gregorio vermacht, allerdings konnte der das Boot nicht erhalten und vermachte es dem Staat, so dass es nun in der Finca ausgestellt wird. Der Koch bekam zum Dank ein kleineres Boot und wir können dafür sehen, mit welchem Boot Hemingway im zweiten Weltkrieg deutsche U-Boote jagen wollte 😉

Das Fischerdorf Cojímar

Weiter geht unser Weg ins Fischerdorf Cojímar, in dem sich Hemingway gerne aufgehalten hat und wo auch seine Yacht lag. Wer schon mal an die Playas del Este gefahren ist, der wird vielleicht den Abzweig nach Cojímar bemerkt haben. Kurz vor Alamar an der Küste gelegen, war Cojímar zu Zeiten von Hemingway ein beschauliches Fischerdorf. Von dort startete „Papa“ Hemingway, wie er dort genannt wurde, seine Hochseefischer-Touren und verbrachte viele Abende mit den Fischern. Die Fischer hatten es ihm besonders angetan, er mochte ihre ehrliche, bodenständige Art. Er war dort keine Celebrity, sondern konnte mehr oder weniger er selbst sein. Über das Kuba und die Fischer sagte er übrigens zu Esquire: “Das Meer ist reich, aber der Fischer ist arm.”

Wer einen Einblick bekommen möchte, wie Cojímar früher ausgesehen hat, der sollte sich „Der alte Mann und das Meer“ anschauen, viele Szenen sind dort gedreht (nicht die Meeresszenen wohlgemerkt). Hemingway mochte den Film übrigens überhaupt nicht, genauso wie die Zuschauer, der Film von 1956 floppte im Kino und so ist er heute vor allem eine gute Dokumentation von Hemingways Cojímar.

La Terraza

Nun seid ihr sicher auch schon hungrig, deshalb gehen wir jetzt ins La Teraza. Das ist heute natürlich eine extreme Touristenlocation, aber immerhin weht der Hauch von Hemingway durch das Lokal wegen der vielen Hemingway-Fotos und -Bilder. Und die Aussicht auf die Bucht von Cojímar ist auch unschlagbar, deshalb fühlen wir es wie Hemingway – der hier nach seinen Fahrten einkehrte – und essen etwas Fisch. Sein Lieblingsplatz war übrigens die Ecke, in der heute eine Büste von ihm steht.

Chris Doerck merkt zu La Teraza an, über die 1980er, dort – und sicherlich war das Restaurant damals noch etwa so wie zu Hemingways Zeiten: „Das war damals, als La Terraza noch ein Restaurant der Cubaner war und die Rechnung mit Pesos bezahlt wurde.“

Hemingways Büste

Dann schauen wir uns noch den Pavillon mit Hemingways Büste an, machen ein paar Fotos, gehen zum Fischerhafen, bevor wir uns wieder in die Innenstadt von Havanna begeben.

Hemingway hat seinen Nobelpreis übrigens allen Cubanern vermacht: “This is a prize that belongs to Cuba, because my work was both thought up and written in Cuba, with my people from Cojimar where I’m a citizen. Through all the translations, this adopted homeland where I have my books and my home is always present.” Wer den Preis im Original sehen möchte, der muss allerdings nach Santiago de Cuba fahren, dort hängt er immer noch in der Basilica El Cobre.

Bodeguita del Medio: Hemingways 1. Bar

Zurück nach Havanna, konkret nach Habana Vieja, in die Bodeguita del Medio! Hemingway beschreibt übrigens, dass er 2 Daiquiris brauchte, um von der Finca (mit dem Auto!) durch die Slums zu kommen. Er konnte den Anblick des Elends dort nicht ertragen – übrigens einer der Punkte, die Fidel Castro mit ihm sympathisieren lies.

An der Wand der Bodeguita steht es: „Meinen Daiquiri im Floridita, meinen Mojito in der Bodeguita.“ gez. Hemingway. Damals war die Bodeguita del Medio natürlich kein Touristenladen wie heute. Nichtsdestotrotz: es macht Spaß, mal kurz hineinzugehen und auf die Wände zu schauen, dort sind die Unterschriften unzähliger Besucher verewigt. Natürlich ist der Mojito dort inzwischen überteuert, aber ihr ihn in Gedenken an Hemingway trotzdem trinken 😉 Und ihr könnt euch auch auf den Wänden verewigen. Also: Stift nicht vergessen!

War Hemingway überhaupt Stammgast in der Bodeguita del Medio?

Ob Hemingway wirklich immer in der Bodeguita getrunken hat, ob er je Stammgast dort war, ist allerdings umstritten. Es gibt Theorien, dass die Serviette mit dem schönen Spruch gefälscht ist, um Touristen in die Kneipe und nach Cuba zu locken. Das stützt sich z.B. auf Berichte von ehemaligen Mitarbeitern, darauf, dass der damalige Besitzer der Bodeguita Heminway nicht leiden konnte („Un saco de madarrias“) und darauf, dass Hemingway seinen Daiquiri nicht mit Zucker trank, warum also den gezuckerten Mojito?
Auf der anderen Seite zitiert z.B. Chris Doerk Gregorio Fuentes, als Captain seines Schiffes einer der besten Freunde Hemingways, und der sagt, dass sie regelmäßig zusammen in die Bodeguita del Medio gingen. Da Gregorio Fuentes keinen Anreiz hätte zu lügen, gehe ich also im guten Glauben davon aus, dass Hemingway doch den einen oder anderen süßen Mojito trank.

Ambos Mundos – Das Hemingway-Hotel

Weiter geht es mit dem Hotel Ambos Mundos. Gebaut 1924 und sehr schön anzusehen, lebte Hemingway  1939 in einem Hotelzimmer im fünften Stock des Ambos Mundos. Das Zimmer 511 ist inzwischen ein Museum, eine Außenstelle des Finca-Museums.

Foto von Hemingways Schreibmaschine

Hemingways Schreibmaschine im Ambos Mundos

Dort werden wechselnde persönliche Gegenstände Hemingways ausgestellt und es sieht aus, als ob Hemingway das Hotelzimmer nur kurz verlassen hat und gleich mit dem alten Otis-Fahrstuhl nach oben fahren würde. In diesem Zimmer begann Hemingway „Wem die Stunde schlägt“ zu schreiben, „Tod am Nachmittag“, „Haben und Nichthaben“ und „Die grünen Hügel Afrikas“.

Die Übernachtung im Hotel kostete Hemingway übrigens 1,50 $ (1,75 $ für 2 Personen)!

Tipp: In der Lobby des Hotels gibt es zwei Wände, an denen Hemingway-Fotos hängen. Wenn nicht zu viele Leute davorstehen, eine gute Foto-Location.

Wenn ihr den weiten Weg zur Finca nicht auf euch nehmen wollt, dann ist das Hotel Ambos Mundos ein guter Anlaufpunkt. Das Hotel hat übrigens auch eine schöne Dachterrasse mit einem guten Blick über Habana Vieja und den Hafen. Einen Cocktail trinken wir dort aber nicht, denn jetzt geht es weiter ins Floritida.

El Floridita: Hemingways 2. Bar

Ein paar Schritte weiter – Hemingway wollte natürlich nicht so weit laufen – finden wir das Floridita. Dort trank er dann Daiquiris, serviert vom Barkeeper Constantino Ribalaigua Vert, genannt „Der Beständige“. Wobei anzumerken ist, dass Hemingways Daiquiris nichts mit dem Frozen Daiquiri zu tun haben, den wir heutzutage meist bekommen.

Hemingway verfiel dem Charme des Floridita mit seiner großen, massiven Holzbar und dem sympatischen Cocktailmixer, so dass er fast täglich dort war – und heute noch in Form einer Statue dort sitzt, eine super Fotolocation: auf einen Drink mit Hemingway! Der Überlieferung nach soll er eines morgens aus dem Ambos Mundos gekommen sein und eigentlich wollte er nur die Toilette besuchen. Beim Verlassen fand er den Drink interessant, den jeder dort trank – und so begann seine Liebe zum Daiquiri.

Wolfgang Stock schreibt auf Hemingwayswelt.de über das heutige Floridita: „MY DAIQUIRI… EN EL FLORIDITA steht draußen groß als Reklame, dann seine Unterschrift, Ernest Hemingway. Das El Floridita verhunzte sich zum Ernest Hemingway- Rumsschuppen. Draußen, drinnen – das Getöse um den Schriftsteller wirkt unerträglich. Und so sieht man heute nur noch Touristen in der Bar. Für Einheimische ist der Daiquirí hier eh zu teuer.

Der Daiquiri

Da der Daiquiri Hemingways Signature Drink ist, hier in Kürze die beiden Rezepte, für den klassischen Daiquri und den Hemingway Special.

Die International Bartenders Association schlägt für den für den normalen Daiquiri vor:

  • 4,5 cl weißer Rum
  • 2,5 cl Limettensaft
  • 1,5 cl Zuckersirup

Mit 6-8 Eiswürfeln in den Shaker, geschüttelt, gesiebt und ohne Eis in einem Martiniglas oder einer Cocktailschale serviert.

Wenn ihr mehr über den Daiquiri wissen wollt, dann lest hier weiter!

Hemingways Daiquiri

Papa Hemingway trank jedoch eine Variation. Nachdem er bei seiner ersten Begegnung den klassischen Daiquiri gekostet hatte, soll er gesagt haben: „Das ist gut, aber ich möchte ihn lieber mit doppeltem Rum und ohne Zucker.“ So entwickelte Constantino Ribalaigua Vert, der Barkeeper des Floritida, einen neuen Drink für ihn, heute Hemingway Daiquiri, Papa Doble oder Daiquiri Special genannt. Wenn ihr in den Selbstversuch geht, dann passt auf, das ist ein hammerharter Drink!

  • 6 cl weißer Rum
  • 1,5 cl Maraschino
  • 4 cl Grapefruitsaft
  • 1,5 cl Limettensaft

Ob er auf den Zucker verzichtete, weil er Diabetiker war oder weil er ihm einfach nicht schmeckte, ist nicht überliefert. Schließlich trank er ja auch seinen Mojito mit Zucker. Oder etwa nicht? Siehe die Diskussion oben!

Er selbst schrieb über die Daiquiris übrigens: Sie hätten “no taste of alcohol and felt, as you drank them, the way downhill glacier skiing feels running through powder snow and, after the sixth and eighth, felt like downhill glacier skiing feels when you are running unroped.

Annäherungen an Hemingway: Lese- und Netflix-Empfehlungen

Adios Hemingway von Leonardo Padura

Wer eine literarische Annäherung an Hemingway haben möchte, eine, sagen wir, interpretierte Biografie, dem lege ich Leonardo Paduras „Adios Hemingway“ ans Herz. Dort kreuzen sich die Wege von Hemingway indirekt mit Paduras Detektiv Mario Conde.

Midnight in Paris von Woody Allen

Ebenso empfehle ich euch „Midnight in Paris“ von Woody Allen, auch dort treffen wir Hemingway, allerdings in seiner Pariser Zeit, die er mit allem möglichen Künstlergrößen verbrachte wie Pablo Picasso, Salvador Dalí, Man Ray oder F. Scott Fitzgerald. Midnight in Paris könnt ihr aktuell bei Netflix und Amazon Prime sehen.

Alles über Hemingway: Hemingwayswelt.de

Wer sich mehr über Hemingways Leben informieren will, dem empfehle ich den Blog „Hemingways Welt“, eine unglaublich ausführliche Sammlung zu allen Facetten von Hemingways Leben.

Und zum Abschluss: sprach Hemingway Spanisch?

Oder war er, wie viele Amis, einfach davon ausgegangen, dass alle Welt Englisch spricht? Hier ein Videodokument aus vergangener Zeit, leider mit schlechter Qualität, in dem der Meister selbst sich zu seinem Nobelpreis äußert (ein Dank an Stockpress für den Hinweis), auf mehr oder weniger flüssigem Spanisch:

Fazit: “I always had good luck while writing in Cuba…”

Ich wünsche euch viel Spaß auf eurem Hemingway-Rundgang durch Havanna, zum Einstieg könnt ihr ja noch „Der alte Mann und das Meer“ lesen oder „Wem die Stunde schlägt“. Sinnvoller ist sicher „Der alte Mann…“, da er in Cuba spielt. Beide Bücher bekommt ihr z.B. bei Booklooker schon für unter 2 Euro inkl. Porto.

Und eine Anmerkung noch zu den Cocktails: wenn ihr einen richtig guten Hemingway Special trinken wollt, dann müsst ihr nicht weit fahren. Trinkt ihn bei euch zu Hause in einer richtig guten Cocktailbar oder einer entsprechenden Hotelbar. In Cuba gibt es kaum gute Cocktails, das Wissen und die Tradition scheint mit dem Sozialismus untergegangen zu sein.

Über die Fischer in Cojímar und über ein geschenktes Jahr schreibt Stockpress übrigens sehr poetisch!

Saludos aus Berlin,
Euer Dietmar

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